Plantes i humans
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Ziegenhaltung

Immer mehr Menschen assoziieren die Ziege mit Romantik. Etliche Personen beginnen eine Arbeit mit Ziegen und stellen enttäuscht fest, dass sie schwieriger ist als erwartet. Ziegenhaltung ist nichts für Arbeiter, die eine geregelte Arbeitszeit mit unantastbarem Feierabend suchen. Ziegenhaltung ist auch nichts für Hippies, die mal hier, mal dort sind und engagierte Aktivitäten scheuen. Wer aber Herausforderungen sucht und bereit ist, sich auf die Bedürfnisse eigenwilliger Tiere einzulassen, kann in der Arbeit mit Ziegen tatsächlich die erträumte Romantik finden. Und sie kann dann das ideale Tier für Selbstversorger sein.

Man muss die Ziegen vom Garten fernhalten. Andernfalls bleibt nicht viel vom Garten. Man muss sie während der Laktation melken. Und natürlich benötigen sie ausreichend Futter.

Wenn es viele Ziegen sind und sie viel Milch geben, ist es so praktisch unvermeidbar, zumindest jeden zweiten Tag zu käsen.

Die Alltagsroutine, die in der Viehhaltung nötig ist, kann von therapeutischem Wert sein für Menschen, die mehr Struktur in ihrem Leben brauchen.

Alle 21 Tage hat die Ziege ihre Brunst (wie die Kuh, aber nicht wie diese das ganze Jahr über, sondern nur während einer Fruchtbarkeitsperiode). Man sagt: Die Ziege ist bockig.

In der Regel ist die Milchproduktion an die Produktion von Zicklein (wie bei Kuhmilch von Kälbern) geknüpft. Da insbesondere die Böcklein nicht alle aufgezogen werden, bedeutet Milchproduktion so gut wie immer auch Fleischproduktion.​

Ziegen sind zwar auch Herdentiere, zeigen aber mehr Individualität als Kühe und Schafe und wirken aus menschlicher Sicht intelligenter. Sie sind oft eigenwillig und dickköpfig. Nach meiner Erfahrung hilft der Umgang mit Ziegen, auch andere Menschen leichter in ihrer Eigenwilligkeit wertzuschätzen. Wer mit Ziegen Erfahrung hat, wird kaum das verbreitete Klischee teilen, Individualität komme nur bei Menschen vor.​

Aus ethischen Gründen haben Ziegenmilchprodukte gegenüber Kuhmilchprodukten den Vorteil, dass sie in der Regel nicht aus Massentierhaltung stammen. Das bedeutet natürlich eine geringere Verfügbarkeit, keinen Massenkonsum, sondern eher ein bewusstes Genießen.

Außer Milch liefern Ziegen Fleisch und Leder. Und ein wichtiges Produkt der Nutztierhaltung (auf das auch Veganer kaum verzichten können) ist der Mist, der zur Düngung von Gemüse verwendet wird, besonders im biologischen Gemüsebau.

Frisch geborenes Zicklein (in der Schweiz: Gitzi)

Die größte Bedeutung innerhalb der Balearen hat die Ziege auf Ibiza. Hier und auf Formentera gibt es die Pityusenziege und das Ibizenkische Schaf als heimische Rassen. Das Schaf ist zwar als Milchtier bekannt, hat aber als solches heute eine untergeordnete Bedeutung. So ist die Ziege das primäre Milchtier. Andere Rassen gibt es auch, eine Einfuhr ist nicht verboten, wie es manchmal auf Inseln der Fall ist. Farblich ist die Pityusenziege sehr variabel, sie kann hornlos oder gehörnt sein, während die Mallorquinische Ziege braun mit schwarzer Musterung und immer behornt ist.

Ziegen haben ein anderes Fressverhalten als Schafe und Rinder, sie fressen auch Gehölze. Auch Pflanzen mit Dornen oder Stacheln sind vor ihnen nicht sicher, so fressen sie die Stammglieder der Feigenkakteen.

Bei oberflächlicher Betrachtung entsteht oft das Bild, Ziegen würden wahllos alles fressen. Wenn sie die Möglichkeit haben, sind sie jedoch wählerische Feinschmecker, die sich nicht so leicht mit geschmacksneutralem Gras zufrieden geben. Bei konzentrierter Stärke versagen die natürlichen Mechanismen: An Brot oder Schrot fressen sich Ziegen hemmungslos zu Tode.

Zu den Pflanzen, die den Ziegen schmecken, gehören der Ölbaum, der Spargel (A. acutifolius) und der Wacholder (nicht jedoch der Phönizische, der auch für Ziegen giftig ist).

Bock

Unkontrollierte Ziegenweide ist – insbesondere in Trockengebieten – ein Problem für die Vegetation. Auf Mallorca gibt es verwilderte Ziegen im Gebirgswald. Die Jäger hegen sie als Wild und sorgen für überhöhte Bestände. Die wüstenhafte Kanaren-Insel Fuerteventura leidet, aufgrund geringerer Tragekapazität, noch stärker unter den verwilderten Ziegen.

Auf dem Eiland es Vedrà lebt eine Ziegenpopulation, die nicht gemolken wird, sondern nur für die Eigentümer der Insel Osterzicklein produziert. Die Insel ist Naturschutzgebiet und für Menschen nur mit Sondergenehmigung zugänglich. Die Ziegen dürfen dennoch die sensible Vegetation schädigen, da die Haltung dort Familientradition ist. Es gibt Untersuchungen zu den Auswirkungen der Ziegen auf die Vegetation des Eilandes, die aber nicht öffentlich zugänglich sind. Jedenfalls ist klar, dass einige Pflanzen auf für Ziegen unzugängliche Sonderstandorte zurückgedrängt wurden, etwa an Felswände.

Andererseits kann kontrollierte Ziegenweide auch auf diesen Inseln der Landschaftspflege dienen. Auf Ibiza gibt es ein Ziegenprojekt zur Reinigung der Wälder vom Unterholz, insbesondere um die auf dieser Insel häufigen Waldbrände einzudämmen.

Pityusenziege mit Neugeborenem

Literatur

Dymanski, Ulrich (1986): Selbstversorgung durch Ziegenhaltung. Der Ratgeber für Aufzucht, Pflege, Nutzung. Stuttgart.​

Janzing, Gereon (2000a): Ein Sommer auf der Alp. Als Rinderhirt und Geißenmelker in Graubünden. In: Kritische Ökologie 16 (2) 2000: 33-37.​

Janzing, Gereon (2013b): Ziegenhaltung und Milchverarbeitung. In: Kritische Ökologie 80, Sommer 2013: 15-20.

Seymour, John (1976): The Complete Book of Self-Sufficiency. London (dt. unter dem Titel: Das große Buch vom Leben auf dem Lande).​