Plantes i humans
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Parallelen zwischen Bündnerromanisch und Deutsch

Aus dem von mir verfassten Kauderwelsch-Sprechführer Rätoromanisch (Surselvisch)

Da viele Bündnerromanen (heute fast alle, außer einigen Kindern) auch Deutsch sprechen, ist schon damit zu rechnen, dass im Bündnerromanischen (dem Rätoromanischen des Schweizer Kantons Graubünden) viele deutsche Einflüsse auftreten.

Die Phonologie des Rätoromanischen weist eine Parallele mit dem Schweizerdeutschen auf: Es gibt die Diphthonge ie und uo/ue, betont auf i und u (also ie nicht wie in Spanisch und Italienisch). So werden bündnerromanisch spieghel und schweizerdeutsch Spiegel „Spiegel, Fernglas“ (die letzte Bedeutung zumindest in Graubünden) gleich ausgesprochen.

In der Umgangssprache ist es üblich, viele deutsche Wörter zu verwenden, die nicht geschrieben werden. Aber auch in der geschriebenen Sprache sagt man tier als Synonym für animal, „Tier“. Die deutschen Wörter schon und aber sind in der surselvischen Umgangssprache sehr häufig und werden manchmal in Texten populären Stils geschrieben. In literarischem Stil schreibt man gia und mo (zum Vergleich auf Italienisch: già und ma).

Bündnerromanische Wörter im deutschen sind dagegen sehr selten; z. B. Gletscher von bündnerromanisch glatscher mit derselben Bedeutung (von glatsch „Eis“).

In mehreren Fälle ist die Homonymie in Bündnerromanisch und Deutsch dieselbe das rätoromanische mumma und das deutsche Mutter bezeichnen beide sowohl die Mutter als Verwandte als auch eine Schraubenmutter.

Eine Homonymie, die diese beiden Sprachen kurioserweise mit dem Spanischen gemeinsam haben, ist die von „morgen, am Tag nach heute“ und „der Morgen, die Stunden vorm Mittag“: rätoromanisch damaun – la damaun, deutsch morgen – der Morgen, spanisch mañana – la mañana. Und wenn beides zusammenkommt, umschreiben es beide Sprachen auf dieselbe Weise: bündnerromanisch damaun marvegl, deutsch morgen früh.

Die Präposition, die man üblicherweise mit Spachennamen verwendet, ist nicht wie in anderen romanischen Sprachen eine mit der Grundbedeutung „in“, sondern „auf“: „auf Französisch“ heißt auf Französisch en français, auf Italienisch in francese, aber auf Bündnerromanisch sin franzos, wie auf Deutsch auf Französisch.

Die Satzstruktur ist in beiden Sprachen einander sehr ähnlich, und so hat das Bündnerromanische einige Züge, die es von den anderen romanischen Sprachen unterscheiden. Auch viele Redewendungen werden auf dieselbe Weise konstruiert. So sagt man in beiden Sprachen dieselbe Wendung für „fliehen, fortrennen“: deutsch sich aus dem Staube machen, bündnerromanisch sefar ord la puorla.

Aus meinem Kauderwelsch-Sprechführer Rätoromanisch (Surselvisch)