Gereon Janzing, geobotánico y etnobotánico
Gereon Janzing, geobotánico y etnobotánico

Was ist Ethnobotanik?

Deutsch

el mateix en català – lo mismo en castellano – lo mateix amb eivissenc – the same in English – la sama en Esperanto – le même en français – lo stesso in italiano – o mesmo em português – il medem sin romontsch – dës glych uf Schwyzertüütsch – IDEM LATINE

Diese Frage wird mir als Ethnobotaniker des Öfteren gestellt. Vereinfacht gesagt, ist Ethnobotanik der Überschneidungsbereich von Ethnologie und Botanik. Ihr Gegenstand sind ganz allgemein die Beziehungen zwischen Pflanzen und Menschen. Pilze werden zwar nach neuerer Systematik nicht mehr zu den Pflanzen gerechnet, sind aber traditionell Gegenstand der Botanik, von der die Mykologie als Teilbereich gilt. Und damit ist auch die Ethnomykologie ein Teil der Ethnobotanik.

Das umfassendste Thema ist natürlich das der Nutzpflanzen. Dazu zählen nicht nur Nahrungspflanzen, sondern auch Pflanzen, die Fasern, Bauholz, Farben, Pfeil– und Fischgifte, Futter für Nutztiere, Rausch-, Genuss– (auch Beruhigungs– und Anregungs-) und Heilmittel, Energierohstoffe oder Polstermaterial liefern. Und zwar sind sowohl Wildpflanzen als Kulturpflanzen untersuchenswert.

In der Ethnobotanik behandeln wir Anbau, Ernte und mögliche und tatsächliche Nutzung der Pflanzen, die mit diesen zusammenhängenden Kulte und die Bedeutung der Pflanzen innerhalb des Weltbildes und der Sprache. Auch die Beziehung der Menschen zu nicht wirtschaftlich genutzten Pflanzen wie Zierpflanzen oder Ackerwildkräutern ist Thema der Ethnobotanik.

Oft wird die Ethnobotanik auf die Nennung von Pflanzen und ihren (oft nur medizinischen und/oder psychoaktiven) Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt. Dies ist aber nur ein enger Teilaspekt dieser Wissenschaft.

Bisweilen findet man die Bezeichnung "ethnobotanische Pflanzen". Was um alles in der Welt das heißen soll, weiß ich nicht. Das Attribut "botanisch" passt ohnehin für alle Pflanzen. Die Bezeichnung ist gewiss ein Schlagwort von Leuten, die nicht wissen, was Ethnobotanik ist.

Zur weiteren Erläuterung werden hier einige Beispiele für Themen der Ethnobotanik genannt.
– Die Nutzung von Meeresalgen in den verschiedenen Gesellschaftsteilen der Hawaii-Inseln.
– Pflanzen als Gottheiten (zum Beispiel Dema-Gottheiten) bei Knollenfruchtbauern.
– Jahreszyklus und Arbeitsteilung der Wildreisernte an den Großen Seen in Nordamerika.
Halluzinogene Pflanzen der ekstatischen Heiler (manchmal Schamanen genannt) am Andenostabhang. +
– Die japanische Gartenkunst.
– Anbau und Verwendung der Zibarte im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. +
– Die Terminologie der Manioksorten im südamerikanischen Tiefland.
– Die Darstellung des Edelweiß in der Kunst der Alpenvölker.
– Die Nutzung von Treibholz bei den Inuit.
– Archäologische Spuren von Nutzpflanzen in Wikingersiedlungen.
– Mythen um den Knoblauch und seinen Abwehrzauber. +
– Die Wanderungen der Nomaden in der Sahara in Abhängigkeit vom Vorkommen bestimmter Futterpflanzen.
– Das Wissen der Pygmäen um Heilpflanzen.
– Die Nutzung des Bilsenkrautes zum Wahrsagen bei den alten Griechen. +
– Die Bedeutung der Baumwolle für die Geschichte der USA.
– Die Opiumkriege zwischen England und China. +
– Bereitung, Nutzung und soziale Bedeutung von Chicha (Maisbier). +
– Die Ausbreitung der Kartoffel in Europa.
– Gewinnung und Verwendung des Ahornsirups in Nordamerika. +
– Die von Regierungsstellen und NGOs der Konsumländer kontrollierten Kaffeeprojekte.
– Der Anbau von Mais und Bohnen in Mischkultur.
– Die Rolle der Linde in deutschen Volksliedern.
– Die Rohstoffe und Zubereitungsformen des Pfeilgifts Curare.
– Die Bäume als Träger von Menschenseelen im Glauben der Aché in Paraguay.
– Einflüsse der Schaf– und Ziegenbeweidung auf die Vegetation des Mittelmeergebietes.
– Die Bewässerungsmethoden der Hopi.
– Das Kräutersammeln in Industriegesellschaften und die Vorurteile dagegen.
– Die trachtbedingten Wanderungen nomadischer Imker in Australien. +
– Die Nutzung des Niembaumes zur Vertreibung von Insekten in Indien und Nicaragua.
– Der Kult um Mutter Erde im zentralen Andenhochland.
– Die unterschiedlichen Deutungen der mexikanischen Pilzsteine. +
– Mythen um die Entdeckung von Edelschimmelpilzen auf Käse.
– Die Techniken zur Aufbereitung des Faserhanfs.
– Das Potenzial von Lupinen zur Ernährung.
– Die Pflanzennamen in den Kreolsprachen.
– Die Bedeutung der Mistel bei den alten Kelten.

Damit haben Sie jetzt einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Ethnobotanik bekommen.

Die mit einem Kreuz + gekennzeichneten Themen sind in meinem 2000 erschienenen Buch "Psychoaktive Drogen weltweit" behandelt. Weitere Bücher mit ethnobotanischem Schwerpunkt sind mein Koka-Themenheft ("Den Indianern ihr Kaffee: Koka") und mein mehrsprachiges Drogenwörterbuch.