Gereon Janzing, geobotánico y etnobotánico
Gereon Janzing, geobotánico y etnobotánico

Hanf als Heilplfanze

(Es begann mit einem Artikel von mir in der lokalen Zeitschrift "Freizeit & Kultur" mit einem von mir geführten Interview mit einem Arzt, der zu den Wirkungen eines Hanfpräparates bei Krebspatienten forschte,
später schrieb ich einen für die Zeitschrift "Kritische Ökologie", und das ist derjenige, den ich hier, mit Modifikationen, vorstelle.)

Hätten wir ein Feld mit Hanf, so müssten wir damit rechnen, dass viele Pflanzen zu psychoaktiven Zwecken gestohlen würden. Außerdem würde uns die Polizei auf den Hals rücken, da der Anbau illegal ist, was ein großer Skandal ist, wenn wir seine verschie­denen medizinischen Nutzungen bedenken. Er ist allerdings nicht die einzige Pflanze die verboten ist, weil sie Konkurrenz für chemische Produkte ist. Der aus Zentralasien stammende Hanf mag Kalk, findet somit auf Ibiza gute Bedingungen vor.

Es ist wahr, dass häufiger Hanfkonsum bei manchen Menschen sehr negative Wirkungen auf die Psyche hat. Allerdings sind die negativen Nebenwirkungen vieler legaler Medikamente ebenfalls bedrohlich. Menschen mit einer Psychose müssen den Hanfkosum völlig meiden (außer dem der Samen).

Einmal sagte mir jemand, was ich über den Hanf schreibe, sei nur theoretisch, wenn ich keine Marihuana rauche. Das stimmt. Ich kann nicht an mir selber die Wirkungen einer Heilpflanze gegen Leiden testen, die ich nicht habe. Und ich nehme nicht jede beliebige Heilpflanze, solange ich gesund bin. Immerhin sehe ich einige Wirkungen an anderen Menschen.

Die Hanfsamen enthalten ein Öl mit der sonst in Pflanzen seltenen Gamma-Linolensäure. Dieses Öl wirkt deshalb unter anderem gegen Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis – 20 g Hanföl täglich). Durch Alpha-Linolensäure beugt es vor gegen Herzkreislauferkrankungen. In der Volksheilkunde werden die Samen gegen Gicht, Rheuma und Bronchitis verwendet.

Die verbreitetste Aufnahmeform von Hanf (meist zu psychoaktiven Zwecken) ist das Rauchen: entweder von getrockneten Pflanzenteilen (Marihuana) oder von Harz oder Pollen (Haschisch). Da wir das Rauchen gemeinhin mit hedonistischem Konsum (Genuss) oder (vom Tabak) Sucht assoziieren, haben wir gewisse kulturbedingte psychische Hemmungen, das Rauchen als medizinische Therapie zu akzeptieren.

Im Fall von Krebs hat eine Chemotherapie oft sehr unangenehme Nebenwirkungen wie starke Übelkeit. Hier wird häufig von positiven Wirkungen von Hanfrauchen berichtet. Tabletten und andere orale Medikamente werden von Patienten mit Brechreiz oft schlechter vertragen als Rauchen.

Aids-Patienten leiden oft unter Appetitlosigkeit und in der Folge an Gewichtsverlust. Durch Hanfrauchen kann der Appetit angeregt werden. Zudem lindert Hanf einige Nebenwirkungen von Medikamenten ab. Diese Wirkungen können das Leben des Patienten verlängern. Todkranken Menschen dieses Medikament zu verwehren, ist sicher zynisch.

Marihuana reduziert erhöhten Augeninnendruck und wirkt damit dem Glaukom (auch grüner Star genannt) entgegen. In manchen Fällen gilt es als das einzige wirksame Mittel zur Erhaltung der Sehfähigkeit.

Hanfrauchen kann sich bei Asthma sehr heilsam auswirken. In der südostasiatischen Medizin wird hierzu eine Mischung mit Tabak (Verhältnis 1:1) verwendet. Wichtig sind natürlich tiefe Lungenzüge.

Im Falle von multipler Sklerose hilft Hanf mit schier unglaublichen Wirkungen. Oft ist er die einzige bekannte Möglichkeit, die Leiden der Patienten zu mindern oder zu beseitigen.

Behauptungen, nach denen Hanf im Rahmen des Schamanismus verwendet wurde, entbehren jeder Grundlage, zumindest gibt es darauf keine Hinweise (anders als bei Tabak).

In China werden die Stängel zum Harntreiben verwendet, die männlichen Blüten gegen Menstruationsstörungen. In einem chinesischen Arzneibuch von 2700 v. Chr. wird Hanf als Heilmittel gegen Beriberi, Gicht, Malaria, Rheuma und Verstopfung empfohlen.

In der traditionellen japanischen Medizin werden die getrockneten Hanfsamen für Milz, Magen und Darm und gegen Verstopfung gegessen.

Hanf wird oft wegen seiner halluzinogenen Wirkung geraucht (manchmal gegessen). In der tibetischen Medizin wird diese mit Heiterkeit und Gesprächigkeit in Verbindung gebracht. Unter den Berbern Nordafrikas wird im Hanfrausch ein transzendentales Erlebnis gesehen.

In Marokko wird Hanf als Aphrodisiakum geraucht, auch gegen Depressionen. Frauen ist der Gebrauch in der Regel untersagt.

Weiterhin gibt es Berichte über Heilwirkungen des Hanfs bei Migräne, Hepatitis, Schnupfen, Bronchitis.

Hier ist anzufügen: Manche Menschen werden bei regelmäßigem Marihuana-Konsum paranoid. Ein häufiges Motiv unter regelmäßigen Konsumenten ist, dass sie die Umweltverschmutzung und andere Probleme auf der Erde nicht unserem eigenen Verhalten zuschreiben, sondern einer globalen Verschwörung. Hier zeigt sich eine Unfähigkeit, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen, außerdem eine Unfähigkeit, die Komplexität der Erde wahrzunehmen, die in jenem Rauschzustand als so einfach wahrgenommen wird, dass ein Dutzend Personen sie unter Kontrolle halten können. Wer so eine Neigung hat, sollte die Marihuana mit Respekt behandeln, eine potente Pflanze ist kein Spielzeug.

In der Hippiebewegung wird oft gesagt, Marihuana erweitere das Bewusstsein, das heißt, man muss keine Anstrungung unternehmen, eine Pflanze macht es alles für uns. Wer wirklich sein Bewusstsein erweitern will, findet keine Pflanze, die ihm oder ihr die Anstrengung abnimmt.

Außerdem ist Hanf eine gute Faserpflanze, auch für Papier ohne Holz. Da er ohne Chemie angebaut werden kann, während Baumwolle gemeinhin viele Pes­tizide benötigt, gibt es Industrieinteressen, die den Anbau von Hanf verhindern wollen, was zu ei­nem Verbot der Pflanze in vielen Ländern führte. Es gibt mehrere Varietäten mit verschiedenen Mengen des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). Diejenigen mit mehr THC sind allgemein wirksamer und werden weniger von Schädlingen heimgesucht. Diese werden manchmal als eigene Art ausgegliedert (Indischer Hanf, Cannabis indica, besser als Varietät: Cannabis sativa var. indica).

Auch in der Tiermedizin wird Hanf angewendet. So berichtete die Graubündener Tageszeitung "La Quotidiana" von einem Bauern, der oft wegen Euterproblemen seiner Kühe den Tierarzt bei sich hatte. Nachdem er seinen Kühen Hanf fütterte, verschwanden die Probleme. Die Schweiz verbot das Füttern von Hanf nach Experimenten mit einer einzelnen Kuh, die mit einer hochkonzentrierten Dosis THC gefüttert worden war.

Wollen wir hoffen, dass bald eine Zeit kommt, wenn wir Hanf ohne Angst vor Dieben und der Polizei anbauen können!

Literatur

Cadruvi, Claudia: Vatgas n'obtengan nagin chonv pli. En: La Quotidiana 18/2/2005: p. 2.

Grinspoon, Lester & James Bakalar: Marihuana. The forbidden Medicine. New Haven and Londres 1993.

Grotenhermen, Franjo & Michael Karus: Cannabis als Heilmittel. Ein medizinischer Ratgeber. Göttingen 1998.

Janzing, Gereon: Psychoaktive Drogen weltweit. Löhrbach 2000.

Janzing, Gereon: (2000): Hanf. Ein altbekanntes Heilmittel. In: Freizeit & Kultur (Merzhausen bei Freiburg i. Br.) 11/2000: 14.

Janzing, Gereon: Kannibalen und Schamanen. Verbreitete Irrtümer über fremde Völker und Kultu­ren. Löhrbach 2007.

Rätsch, Christian: Hanf als Heilmittel. Eine ethnomedizinische Bestandsaufnahme. Solothurn u. Löhrbach 1992.

Externer Link:

Der Hanf im Heilpflanzen-ABC (spanisch)